Isla Margarita und Caracas Oktober 2019

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bigbill
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Isla Margarita und Caracas Oktober 2019

Beitrag von bigbill » Di 29. Okt 2019, 17:04

Hallo Zusammen,
nachdem ich die letzten Jahre sehr viel über Venezuela gelesen habe und auch ein wenig Geld im Land über Staatsanleihen investiert habe, wollte ich mir das Land schon länger einmal anschauen. Und jetzt im Oktober war es soweit. 2 Wochen Isla Margarita und 2 Tage Caracas. Mein erstes mal in Venezuela.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich damit nur die Orte in Venezuela angeschaut habe, die noch halbwegs von der Krise verschont sind. Und so war es insgesamt auch eine super Reise. Wobei ich den Trip aktuell nur Leuten empfehlen kann, die Kontakte vor Ort haben oder gut Spanisch sprechen können.
Flug: D-Paris-Caracas-Porlamar erstmal ein ganz schöner Schlauch. Und in Caracas landen aktuell weniger Flieger als an unserem Regionalflughafen. Schon verrückt. Dazu sieht man dem Flughafen den Investitionstau deutlich an.

Auf der Isla Margarita wurde ich dann gleich mal mit einem Stromausfall begrüsst. Und es sollte nicht der letzte sein. Im Schnitt war alle 3 Tage der Strom für ein paar Stunden weg. Dazu gab es Wasser nur Morgens und Abends, wobei ich davon durch einen großen Tank im Gebäude zum Glück nicht betroffen war.
Die nächsten 10 Tage habe ich dann mit meinem Mietwagen (furchtbares chinesisches Auto für teure 32 Dollar am Tag) die Insel angeschaut, war Kitesurfen in El Yaque, an zig Stränden, habe das Nachtleben genossen, habe mir Apartments angeschaut, war schön Essen und habe nette Leute kennengelernt.

Fazit:
-Die Insel hat mir super gefallen. Unglaublich schöne Strände, kaum Urlauber, tolles Wetter und sehr nette Leute.
- Mich hat Porlamar ein wenig an die USA erinnert. Von den Straßen, Gebäuden etc. Wie eine komplett heruntergekommene USA, wo man seit 20 Jahren nichts mehr investiert hat. Man sieht auch überall, dass es dem Land und den Leuten mal sehr gut ging. Aber man kann halt nicht ewig von der Substanz leben.
- Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten (die meisten jung und gutausgebildet -von daher nicht repräsentativ) und alle erzählen die gleiche Story. Ein Großteil des Freundeskreises ist mittlerweile in der ganzen Welt verstreut und sie selber sind auch am überlegen, fortzuziehen. Die Krise ist einfach allgegenwärtig und hat nach allem was ich gehört habe die Mittelschicht komplett ausgelöscht. Heute gibt es eigentlich nur noch sehr arm, arm und reich. Selbst eine Anwältin oder Ärztin kommt kaum noch über die Runden. Da waren schon sehr schlimme Geschichten dabei und mich hat das Ganze ein wenig an die Erzählungen meiner Großväter erinnert. Denen wurde die Kindheit durch den Krieg geraubt und den Venezolanern durch die Maduro-Clique.
- Vieles war unglaublich billig (Sprit, Handykarte, Unterkunft, Apartments)
- Vieles war überaschend teuer. Lebensmittel im Supermarkt waren im Schnitt teurer als in Deutschland, Restaurants nicht viel günstiger, McDonalds in Caracas war deutlich teurer als in Deutschland, Mietwagen war sehr teuer für ein lebensgefährliches Auto, etc. Dazu hat der Bolivar in meiner Zeit sogar noch gegenüber dem Dollar aufgewertet. Ich war also in der denkbar schlechtesten Zeit dort. Wie man bei den aktuellen Preisen dort von dem Gehalt eines Wachmannes (30 Dollar bei mir in der Anlage) oder auch Anwältin (80 Dollar nach eigenener Aussage) über die Runden kommen soll, ist mir ein Rätsel. Schon brutal.
-Auch Caracas als Stadt hat mir gefallen. Wobe ich mich nur in Altamira aufgehalten habe und nach Sonnenuntergang nicht mehr draußen war. Aber schon beeindruckende Gebäude und Infrastruktur. Auch hier sieht man wieder, dass das Land mal sehr reich war und seit Jahren von der Substanz lebt.

Insgesamt hatte ich also zwei sehr schöne Wochen in Venezuela und es war bestimmt nicht meine letzte Reise ins Land. Man kann den Leuten nur die Daumen drücken, dass sich die politische Lage bald bessert.

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